Tipps für den Trinkrhythmus: wie man im Lauf des Tages mehr Wasser trinkt, ohne es zu erzwingen

Von Annika Steinberger Lesezeit ~9 Minuten Rubrik: Körperbeobachtung Veröffentlicht am 22.03.2026
1.6Liter pro Tag als Anhalt
8kleine Gläser im Schnitt
15Minuten zwischen den Gläsern

Wasser ist die unauffälligste Mahlzeit des Tages. Es taucht in jeder Liste mit guten Vorsätzen auf, und doch verbringen die meisten von uns ganze Vormittage, ohne ein einziges Glas zu sich zu nehmen. Diese Spalte erzählt, wie sich dieses leise Versäumnis ändern lässt — ohne Wasser-Apps, ohne Erinnerungen am Handgelenk, ohne den Eifer der Selbstoptimierung.

In meiner ersten Wiener Wohnung gab es weder Geschirrspüler noch einen Wasserkocher mit Lichtsignal, dafür stand auf dem Küchentisch ein einfacher gläserner Krug. Es war meine Tante, die mir damals den unscheinbarsten und besten Trick beibrachte: Den Krug morgens mit frischem Wasser füllen und auf den Tisch stellen. Über den Tag verteilt wandert er von der Küche ins Wohnzimmer und wieder zurück — und am Abend ist er meist leer. Mehr Methode braucht es nicht.

Warum es so schwer ist, an Wasser zu denken

Unsere Tage sind dichter geworden. Wir wechseln zwischen Bildschirm und Bildschirm, eilen von Termin zu Termin, und das Glas Wasser geht in dieser Choreografie verloren. Der Durst meldet sich oft erst, wenn wir bereits zu wenig getrunken haben — er ist ein später Bote, kein verlässlicher. Genau deshalb braucht es eine Form, in der das Trinken nicht ständig daran erinnert werden muss.

Die Weltgesundheitsorganisation gibt als allgemeinen Anhalt rund eineinhalb bis zwei Liter Wasser pro Tag für erwachsene Menschen mit mäßiger Bewegung in gemäßigtem Klima an. Die genauen Mengen sind individuell — bei warmem Wetter, körperlicher Arbeit oder einer salzreichen Mahlzeit liegt der Bedarf höher. Diese Zahlen sind nützlich als grobes Bild, nicht als tägliche Vorgabe, die man penibel überwachen muss.

Aus dem Notizbuch

Eine Tasse Tee gilt mit. Ein Glas warmes Wasser am Morgen gilt mit. Eine Schüssel Suppe gilt mit. Wasser ist nicht nur die durchsichtige Flüssigkeit aus dem Hahn — es ist alles, was den Körper still und freundlich begleitet.

Sieben kleine Anstöße, die meine Routine geprägt haben

Ich liste sie nicht als Programm auf — wer alle sieben auf einmal umsetzt, wird sie in einer Woche wieder vergessen. Eher als eine Auswahl, aus der man jene zwei oder drei behalten kann, die zum eigenen Tag passen.

  • Ein Glas Wasser steht morgens neben der Zahnbürste. Es wird leer, bevor man frühstückt.
  • Der gläserne Krug bleibt auf dem Tisch. Sichtbar, in Reichweite, ohne Mahnung.
  • Vor jeder Mahlzeit ein halbes Glas. Das beruhigt den Magen und ordnet den Hunger.
  • Tee ablösen für Tee. Wer Schwarztee trinkt, wechselt am Nachmittag zu Kräutertee — der nicht zählt, weil er kein Tee ist, sondern Wasser mit Duft.
  • Eine Trinkflasche am Schreibtisch — gerne aus Glas, mit Korkdeckel, damit sie nicht nach Plastik schmeckt.
  • Wasser ins Buch legen. Wer liest, hat eine Hand frei.
  • Abends eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen ein letztes Glas — nicht später, sonst stört es die Nacht.

Welche Form das Wasser hat

Ich mag stilles Wasser aus dem Hahn — in Wien ist das ein Glücksfall, denn das Hochquellwasser ist eines der besten Mitteleuropas. Mineralwasser nehme ich eher zum Essen, wenn die Kohlensäure einen schweren Teller leichter macht. Sehr warmes Wasser am Morgen, mit ein paar Tropfen Zitrone, ist meine eigene kleine Sonntagsgewohnheit, die mir lieber ist als die zweite Tasse Kaffee.

Sehr kaltes Wasser meide ich, wenn ich erhitzt vom Spaziergang heimkomme — nicht aus medizinischen Gründen, sondern weil es sich nicht angenehm anfühlt. Ein lauwarmes Glas am Nachmittag ist eine kleine Geste, die der Körper offenbar wohlwollend zur Kenntnis nimmt.

„Wasser zu trinken ist keine Aufgabe. Es ist eine Pause, in der der Tag kurz aufschaut und sich neu sortiert.“ — Annika Steinberger

Beobachtungen, die nicht in jeder Spalte stehen

Ich merke seit Jahren, dass die Stunden, in denen ich gut getrunken habe, klarer waren — beim Schreiben, beim Lesen, beim Telefonieren. Ob das wissenschaftlich belegbar ist, möchte ich nicht behaupten. Die Harvard School of Public Health beschreibt in offenen Notizen, dass eine angemessene Flüssigkeitsversorgung allgemein zum Wohlbefinden beiträgt — und das ist genau die zurückhaltende Formulierung, die zu dem passt, was ich selbst beobachte.

Was ich nicht empfehle, sind die übertriebenen Mengen, die in mancher Selbstoptimierungsliteratur kursieren. Drei oder vier Liter am Tag sind für einen normalen Wiener Bürotag schlicht zu viel — und können den Körper im Gegenteil unruhig machen. Maß und Aufmerksamkeit sind hier verlässlicher als Litergewichte.

Wenn das Trinken schwerfällt

Manche Menschen haben einen leiseren Durstsinn als andere. In diesem Fall hilft es, das Wasser an feste Tagesankerpunkte zu hängen: an die Zeitungsausgabe am Morgen, an das Aufstehen vom Schreibtisch, an die Pause zwischen zwei Telefonaten. Die Form ist wichtiger als der Vorsatz — denn der Vorsatz vergisst sich, die Form bleibt.

Wer zu wenig trinkt und das ändern möchte, sollte nicht versuchen, einen verpassten Liter am Abend nachzuholen. Verteilen Sie das Wasser über die Stunden, in denen Sie ohnehin im Tageslicht sind. Das ist freundlicher zum Körper und freundlicher zum Schlaf.

Zählt Kaffee als Flüssigkeit?

In moderaten Mengen ja, auch wenn er leicht entwässernd wirkt. Eine Tasse am Morgen verändert die Bilanz nicht wesentlich.

Brauche ich abgefülltes Wasser?

In Wien nicht. Das Leitungswasser ist von ausgezeichneter Qualität. Wer einen anderen Geschmack mag, kann Zitronenschale, Gurkenscheibe oder Minze in den Krug geben.

Wie merke ich, dass ich genug getrunken habe?

Wenn der Tag ruhig verläuft, der Mund nicht trocken ist und die Konzentration am Nachmittag nicht plötzlich abreißt.

Was ist abends die letzte gute Zeit für ein Glas?

Etwa eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen — danach unterbricht das Trinken oft den Schlaf.

AS
Annika Steinberger Redakteurin · Wien

Schreibt über die kleinen Tagesgeräte: das Glas, die Tasse, den Krug. Keine medizinische Ausbildung — eine ruhige Beobachterin der häuslichen Trinkgewohnheiten.

Persönliches Gespräch mit der Redaktion

Erzählen Sie kurz, woran Sie gerade arbeiten — wir antworten mit Lesetipps, Rezepten und kleinen Schritten, ohne Versprechen.

Kostenloses Erstgespräch

Lesen Sie auch

HinweisDiese Inhalte dienen ausschließlich informativen Zwecken und ersetzen keinerlei fachliche Beratung. Bitte sprechen Sie mit einer qualifizierten Fachperson, bevor Sie ein neues Programm für Bewegung oder Wohlbefinden beginnen. Die Texte beruhen auf offenen Quellen und persönlichen Beobachtungen und ersetzen keine ärztliche Konsultation.

Lieblingsrezepte für Herbstsuppen: drei ruhige Töpfe für den späten Oktober

Von Annika Steinberger Lesezeit ~9 Minuten Rubrik: Rezepte Veröffentlicht am 14.10.2026
3Suppen für eine Woche
45Minuten Zubereitung
7Saisonale Zutaten

Wenn der Wind durch den Stadtpark rauscht und die Bäume die ersten goldenen Blätter fallen lassen, beginnt in meiner Küche die Suppenzeit. Drei Rezepte, die ich Ihnen heute weitergebe, sind über Jahre entstanden — am Herd meiner Großtante in Graz, in der Studentinnenküche im 8. Bezirk und schließlich in unserer ruhigen Wiener Wohnung.

Ich bin keine ausgebildete Köchin. Ich bin eine geduldige Beobachterin, die ihre Großmutter beim Sieden zugesehen hat und gelernt hat, dass ein guter Suppentopf nichts mit Stress zu tun hat. Eine Suppe braucht Zeit, Wärme, ein wenig Aufmerksamkeit und vor allem ein offenes Fenster zur Jahreszeit. Im Herbst heißt das: Kürbis, Karotten, Wurzelgemüse, frische Kräuter vom Balkon, eine gute Brühe und das Selbstvertrauen, nicht zu viel hineinzustopfen.

Eine kurze Lobrede auf die Suppe

Im Westen ist die Suppe oft die ungeliebte Vorspeise — etwas, das man schnell aus dem Beutel anrührt. In Wien dagegen, in dieser Stadt der langen Esskultur, hat sie ihren Platz behalten. Wer am Bauernmarkt am Karmelitermarkt einen Kilo Kürbis kauft, denkt zuerst an die Suppe, nicht an den Auflauf. Und das hat einen Grund, der über die Tradition hinausgeht: Eine warme Schüssel zu Mittag ist eine kleine Form der Ruhe, die man sich selbst schenkt.

Die Weltgesundheitsorganisation weist immer wieder darauf hin, dass eine pflanzenreiche Ernährung mit reichlich saisonalem Gemüse generell zum Wohlbefinden beiträgt. Und die Notizen aus Harvard erinnern daran, dass die Zubereitung zu Hause — statt im Restaurant oder aus der Tiefkühltruhe — uns ein Gefühl für Mengen und Zutaten zurückgibt, das man im Alltag leicht verliert. Die Suppe ist die einfachste Schule für beides.

Hinweis aus der Küche

Verwenden Sie eine Brühe, deren Herkunft Sie kennen. Selbst gekocht ist sie eine Sache von zwei freien Stunden am Wochenende. Aus dem Glas funktioniert sie auch — solange die Zutatenliste vier oder fünf ehrliche Wörter enthält und keinen ganzen Absatz.

Drei Suppenschüsseln mit Kürbis, Linsen und klarer Brühe auf einem Holztisch
Drei Suppen, drei Tempi — auf einem alten Wiener Holztisch.

Rezept 1: Kürbissuppe mit gerösteten Walnüssen

Diese Suppe ist mein Klassiker, den ich seit ungefähr zwölf Jahren mache und der jedes Mal ein wenig anders schmeckt. Sie braucht keinen Stabmixer mit zehn Funktionen — ein normaler reicht. Wichtig ist die Geduld beim Anschwitzen der Zwiebel, denn dort entsteht der ganze Geschmack.

Zutaten für vier Schüsseln:

  • 800 Gramm Hokkaidokürbis, mit Schale, in Würfel
  • 1 große Zwiebel, fein gehackt
  • 1 mittelgroße Karotte
  • 1 Apfel, säuerlich, ohne Kerngehäuse
  • 1 Liter Gemüsebrühe
  • Ein kleiner Esslöffel guter Butter und ein Schuss Olivenöl
  • Eine Handvoll Walnüsse zum Rösten, etwas frischer Salbei

Zubereitung. Zwiebel in Butter und Olivenöl bei mittlerer Hitze acht bis zehn Minuten weich werden lassen, ohne Farbe. Kürbis, Karotte und Apfel dazugeben, kurz mitziehen, mit Brühe aufgießen. Bei kleiner Hitze fünfundzwanzig Minuten leise köcheln. Pürieren. Walnüsse trocken in einer Pfanne rösten, mit grob gehacktem Salbei in die Schüssel streuen. Eine Spur frisch gemahlener Pfeffer rundet die Sache ab.

Rezept 2: Wurzelgemüsesuppe mit Linsen

Diese Suppe ist die robustere Schwester. Sie eignet sich für regnerische Sonntage, an denen man stundenlang am Fenster lesen will und etwas Sättigendes auf dem Herd stehen lassen möchte. Linsen geben ihr Körper, Wurzelgemüse die Tiefe.

  • 150 Gramm braune Berglinsen
  • 2 Karotten, 1 Petersilienwurzel, 1 kleine Sellerieknolle, in Würfel
  • 2 Lauchstangen, in feinen Ringen
  • 2 Knoblauchzehen, gehackt
  • 1,2 Liter Gemüsebrühe, ein Lorbeerblatt, Thymian
  • Olivenöl, ein Spritzer Apfelessig am Ende

Zubereitung. Lauch und Knoblauch in Olivenöl behutsam anziehen, Wurzelgemüse dazu, fünf Minuten mitschwitzen. Linsen, Brühe, Lorbeer und Thymian dazu. Vierzig Minuten leise sieden lassen, bis die Linsen weich sind. Lorbeer entfernen. Vor dem Servieren ein Spritzer Apfelessig — er hebt den ganzen Topf um eine Stufe an.

„Eine Suppe ist die einzige Mahlzeit, die einem zuhört. Sie wird heller, wenn man sie kaum stört, und wirft, wenn man sie überreizt.“ — Annika Steinberger

Rezept 3: Klare Hühnerbrühe für graue Tage

Das dritte Rezept ist die einfachste und zugleich die langsamste. Eine klare Brühe, gekocht aus einem Suppenhuhn vom Bauern, ist im Wien meiner Kindheit das gewesen, was meine Großmutter „eine sanfte Decke für innen“ nannte. Es ist keine Wundersache, es ist einfach eine ruhige Wärme.

  • 1 Suppenhuhn vom Markt
  • 2 Karotten, 1 kleine Sellerieknolle, 1 Stück Lauch, 1 Petersilienwurzel
  • 1 Zwiebel mit Schale, halbiert und in einer trockenen Pfanne kurz angeröstet
  • Ein Bund Petersilie, ein paar Pfefferkörner, ein Lorbeerblatt
  • 3 Liter kaltes Wasser, eine Prise Meersalz

Zubereitung. Das Huhn mit kaltem Wasser ansetzen, langsam zum Sieden bringen, dabei den Schaum abschöpfen. Gemüse und Gewürze dazu. Zwei bis zweieinhalb Stunden bei kleinster Hitze sieden, ohne sprudelnd zu kochen. Durch ein feines Sieb gießen. In der Schüssel ergänze ich gerne ein paar feine Karottenstreifen, etwas Petersilie und ein Glas Wasser dazu.

Was diese drei Suppen gemeinsam haben

Sie sind nicht spektakulär. Sie wollen es auch nicht sein. Was sie verbindet, ist eine bestimmte Art von Aufmerksamkeit: Man schält langsam, man wartet, man schmeckt zwischendurch, man rührt selten. Eine Suppe ist die einzige Mahlzeit, die einem dafür dankt, dass man sich nicht in sie einmischt.

Es lohnt sich, Suppen in größeren Mengen zu kochen und am nächsten Tag in einem schönen Glas mit ins Büro zu nehmen. Sie schmecken oft am zweiten Tag besser, wenn die Aromen Zeit hatten, sich zu finden. Und sie sind, gemeinsam mit einem Stück Vollkornbrot, eine vollständige Mahlzeit, an der nichts fehlt.

Kann ich die Rezepte vegan kochen?

Ja, die ersten beiden mühelos: Butter durch Olivenöl ersetzen, Brühe pflanzlich. Die klare Hühnerbrühe lässt sich als kräftige Gemüsebrühe abbilden.

Wie lange halten die Suppen?

Im Kühlschrank zwei bis drei Tage, in der Tiefkühltruhe bis zu drei Monate. Wurzelgemüse aufrühren, bevor man auftaut.

Welcher Topf ist sinnvoll?

Ein gusseiserner mit dickem Boden — er hält die Wärme freundlich und gleichmäßig, das schont den Geschmack der Suppe.

AS
Annika Steinberger Redakteurin · Wien

Schreibt über Märkte, Suppen und die kleinen Wahrheiten des Herdes. Keine medizinische Ausbildung — eine ruhige Köchin mit einem Notizbuch voll handgeschriebener Rezepte.

Persönliches Gespräch mit der Redaktion

Erzählen Sie kurz, woran Sie gerade arbeiten — wir antworten mit Lesetipps, Rezepten und kleinen Schritten, ohne Versprechen.

Kostenloses Erstgespräch

Lesen Sie auch

HinweisDiese Inhalte dienen ausschließlich informativen Zwecken und ersetzen keinerlei fachliche Beratung. Bitte sprechen Sie mit einer qualifizierten Fachperson, bevor Sie ein neues Programm für Bewegung oder Wohlbefinden beginnen. Die Texte beruhen auf offenen Quellen und persönlichen Beobachtungen und ersetzen keine ärztliche Konsultation.