Tiefkühlgemüse und gefrorene Beeren im Winter: wie man die Truhe wie einen Markt liest

Von Lukas Hofer Lesezeit ~9 Minuten Rubrik: Speisekammer Veröffentlicht am 03.02.2026
-18Grad in der Truhe
6Stunden bis zur Konserve
9Monate Haltbarkeit

Der Februar ist die ehrlichste Jahreszeit für die Speisekammer. Der Markt ist klein, die Auswahl überschaubar, und wer im Sommer nicht eingefroren hat, lernt im Winter, mit der Tiefkühltruhe so umzugehen, als wäre sie ein zweiter Markt — leise, immer geöffnet, ohne Saison.

Lange Zeit hatte ich Vorbehalte gegen tiefgekühltes Gemüse. Es schien mir der Kompromiss derjenigen zu sein, die keine Zeit für richtiges Kochen haben. Diese Skepsis hat sich gelegt, als ich vor einigen Wintern in der Küche einer Freundin in Graz zum ersten Mal sah, wie sie mit gefrorenen Erbsen, Spinat und Brombeeren wirtschaftete: nicht ersatzweise, sondern selbstverständlich. Heute halte ich es genauso — und ich behaupte, das ist eine der unterschätzten Tugenden der häuslichen Küche.

Warum die Truhe oft besser ist als ihr Ruf

Gemüse und Beeren werden meist innerhalb weniger Stunden nach der Ernte tiefgekühlt — vom Feld direkt in den Industrieschockfroster. Das bedeutet: Sie behalten ihre wesentlichen Eigenschaften überraschend gut. Die Weltgesundheitsorganisation weist darauf hin, dass eine ausgewogene, pflanzenbetonte Kost auch im Winter machbar ist; das setzt allerdings voraus, dass man Werkzeuge nutzt, die der Jahreszeit angemessen sind. Eine Truhe gehört dazu, wenn man im Februar nicht ausschließlich Wurzelgemüse essen will.

In den Notizen aus Harvard ist immer wieder von Vielfalt die Rede — möglichst bunte Teller, möglichst viele Pflanzen pro Woche. Diese Vielfalt ist mitten in Mitteleuropa im Februar nur dann möglich, wenn man entweder importiert oder vorausgeplant hat. Ich ziehe das Vorausgeplante vor: Beeren, die ich im Juli gepflückt habe, sind im Februar nicht nur günstiger, sondern erinnern auch beim Auftauen an einen warmen Tag im Garten.

Notiz aus der Truhe

Tiefkühlware ist keine Notlösung. Sie ist eine Form der Vorratswirtschaft, die einmal sehr selbstverständlich war — und in Wien viele Jahrzehnte lang in Form des Kellereinmachglases existierte. Die Truhe ist nur die moderne Variante davon.

Gefrorene Beeren in Gläsern auf einem hellen Marmortisch
Beeren vom Sommer, geordnet für den Februar.

Wie ich meine eigene Truhe einrichte

Ich habe die Truhe in vier ruhige Etagen geteilt. Ganz oben: gefrorene Beeren (Brombeeren, Heidelbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren), portioniert in kleinen Gefrierbeuteln zu hundertfünfzig Gramm — genau die Menge für eine Schüssel Haferflocken. In der zweiten Etage: vorbereitete Gemüsemischungen für Suppen (Lauchringe, Karottenwürfel, Sellerie, Petersilienwurzel) in Vakuumbeuteln. In der dritten Etage: Einzelportionen Spinat, Brokkoli, Erbsen, grüne Bohnen. Ganz unten, in der vierten Etage: hausgemachte Brühen und Suppengrundlagen in Schraubgläsern.

Mehr Ordnung braucht es nicht. Wichtig ist nur, dass ich jedes Päckchen mit Datum und Inhalt beschrifte. Ein wasserfester Stift und ein Streifen Klebeband reichen. Ohne Beschriftung wird die Truhe sehr schnell zu einem geheimnisvollen Ort, in dem man bei jedem Öffnen rätseln muss — und das ist die häufigste Ursache dafür, dass Tiefkühlware ungenutzt bleibt.

„Eine gut geführte Truhe ist nichts anderes als das gute alte Vorratskellerbuch — nur etwas kühler.“ — Lukas Hofer

Was ich an typischen Winterabenden koche

Mein liebster Truhen-Klassiker ist ein einfaches Linsen-Spinat-Gericht: braune Linsen mit Zwiebel und Knoblauch ansetzen, mit Gemüsebrühe aus dem Glas aufgießen, und in den letzten fünf Minuten zwei Handvoll tiefgekühlten Spinat dazugeben. Mit einem Spritzer Zitrone und einem Klacks Joghurt serviert, ist das ein Gericht, das ich auch im August nicht eleganter hinbekäme.

An milderen Abenden wird daraus eine Pfanne mit gefrorenen Erbsen, etwas Lauch aus der Truhe, einer Handvoll Reis und einer Prise Zitronenschale. Wer einen Vorrat an gefrorener Petersilie hat (eine sehr wienerische Angewohnheit), streut sie zum Schluss darüber. Eine Mahlzeit, die in zwanzig Minuten fertig ist, ohne dass irgendetwas davon nach Verzicht schmeckt.

Beeren als kleine Erinnerung an den Sommer

Beeren sind, neben Spinat, die größte Belohnung der Tiefkühltruhe. Ich tue sie morgens noch gefroren über die Haferflocken und gieße einen Esslöffel warme Milch darüber — sie tauen genau in dem Tempo auf, in dem man frühstückt. Manchmal werden sie zu einem Kompott mit einer Spur Vanille und einer halben Zimtstange für den Sonntagnachmittag. Und an besonders kalten Tagen mische ich sie unter einen schlichten Joghurt mit ein paar Walnüssen — ein bescheidenes, sehr zufriedenstellendes Dessert.

  • Beeren nie ganz auftauen lassen, bevor sie auf den Joghurt kommen — sonst werden sie matschig.
  • Spinat direkt in den Topf geben, ohne Vorauftauen, und kurz mitkochen lassen.
  • Erbsen in den letzten drei Minuten in die Suppe; sie sollen Biss behalten.
  • Brokkoli in der Pfanne mit Olivenöl und Knoblauch — fünf Minuten reichen.
  • Kräuter immer gefroren in den Topf, niemals aufgetaut auf den Teller.
  • Brühen über Nacht im Kühlschrank langsam wieder weich werden lassen.

Was ich gelernt habe

Die Truhe ist nicht der Feind des frischen Kochens. Sie ist seine Verbündete, vor allem in den Monaten, in denen der Markt zu unwirtlich ist, um wirklich gut einzukaufen. Wer die Truhe pflegt, isst auch im Februar bunt — und spart obendrein eine ganze Reihe von Wegen, die im Winter ohnehin niemandem Freude machen.

Mein Rat aus drei Jahren ehrlicher Beobachtung: eine kleine Truhe ist besser als eine große. Sie zwingt zu Ordnung. Sie zwingt dazu, schneller zu verbrauchen, was darin liegt. Und sie führt dazu, dass man im Frühsommer wieder Lust hat, frisch einzulegen — diesmal mit klarem Plan und weniger Improvisation.

Verlieren tiefgekühlte Beeren ihren Geschmack?

Nur sehr leise. Wer sie am Tag der Ernte einfriert, hat im Februar einen geschmacklich überzeugenden Vorrat.

Wie lange ist Tiefkühlgemüse haltbar?

Bei minus achtzehn Grad sechs bis zwölf Monate, je nach Sorte. Beeren halten gut neun Monate, Spinat etwa acht.

Muss man Tiefkühlgemüse vorblanchieren?

Wer selbst einfriert, ja — eine Minute heißes Wasser, dann Eisbad. Das hält die Farbe.

Was friert sich gar nicht ein?

Salat, Gurken und Tomaten in roher Form — sie verlieren ihre Struktur. Tomaten am besten zuvor zu einem Sugo verarbeiten.

LH
Lukas Hofer Redakteur · Wien

Schreibt über die kleinen Werkzeuge der Hausküche und das, was in einer guten Speisekammer steht. Keine medizinische Ausbildung — nur ein Notizbuch mit beschrifteten Truhenetiketten.

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Tipps für den Trinkrhythmus: wie man im Lauf des Tages mehr Wasser trinkt, ohne es zu erzwingen

Von Annika Steinberger Lesezeit ~9 Minuten Rubrik: Körperbeobachtung Veröffentlicht am 22.03.2026
1.6Liter pro Tag als Anhalt
8kleine Gläser im Schnitt
15Minuten zwischen den Gläsern

Wasser ist die unauffälligste Mahlzeit des Tages. Es taucht in jeder Liste mit guten Vorsätzen auf, und doch verbringen die meisten von uns ganze Vormittage, ohne ein einziges Glas zu sich zu nehmen. Diese Spalte erzählt, wie sich dieses leise Versäumnis ändern lässt — ohne Wasser-Apps, ohne Erinnerungen am Handgelenk, ohne den Eifer der Selbstoptimierung.

In meiner ersten Wiener Wohnung gab es weder Geschirrspüler noch einen Wasserkocher mit Lichtsignal, dafür stand auf dem Küchentisch ein einfacher gläserner Krug. Es war meine Tante, die mir damals den unscheinbarsten und besten Trick beibrachte: Den Krug morgens mit frischem Wasser füllen und auf den Tisch stellen. Über den Tag verteilt wandert er von der Küche ins Wohnzimmer und wieder zurück — und am Abend ist er meist leer. Mehr Methode braucht es nicht.

Warum es so schwer ist, an Wasser zu denken

Unsere Tage sind dichter geworden. Wir wechseln zwischen Bildschirm und Bildschirm, eilen von Termin zu Termin, und das Glas Wasser geht in dieser Choreografie verloren. Der Durst meldet sich oft erst, wenn wir bereits zu wenig getrunken haben — er ist ein später Bote, kein verlässlicher. Genau deshalb braucht es eine Form, in der das Trinken nicht ständig daran erinnert werden muss.

Die Weltgesundheitsorganisation gibt als allgemeinen Anhalt rund eineinhalb bis zwei Liter Wasser pro Tag für erwachsene Menschen mit mäßiger Bewegung in gemäßigtem Klima an. Die genauen Mengen sind individuell — bei warmem Wetter, körperlicher Arbeit oder einer salzreichen Mahlzeit liegt der Bedarf höher. Diese Zahlen sind nützlich als grobes Bild, nicht als tägliche Vorgabe, die man penibel überwachen muss.

Aus dem Notizbuch

Eine Tasse Tee gilt mit. Ein Glas warmes Wasser am Morgen gilt mit. Eine Schüssel Suppe gilt mit. Wasser ist nicht nur die durchsichtige Flüssigkeit aus dem Hahn — es ist alles, was den Körper still und freundlich begleitet.

Sieben kleine Anstöße, die meine Routine geprägt haben

Ich liste sie nicht als Programm auf — wer alle sieben auf einmal umsetzt, wird sie in einer Woche wieder vergessen. Eher als eine Auswahl, aus der man jene zwei oder drei behalten kann, die zum eigenen Tag passen.

  • Ein Glas Wasser steht morgens neben der Zahnbürste. Es wird leer, bevor man frühstückt.
  • Der gläserne Krug bleibt auf dem Tisch. Sichtbar, in Reichweite, ohne Mahnung.
  • Vor jeder Mahlzeit ein halbes Glas. Das beruhigt den Magen und ordnet den Hunger.
  • Tee ablösen für Tee. Wer Schwarztee trinkt, wechselt am Nachmittag zu Kräutertee — der nicht zählt, weil er kein Tee ist, sondern Wasser mit Duft.
  • Eine Trinkflasche am Schreibtisch — gerne aus Glas, mit Korkdeckel, damit sie nicht nach Plastik schmeckt.
  • Wasser ins Buch legen. Wer liest, hat eine Hand frei.
  • Abends eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen ein letztes Glas — nicht später, sonst stört es die Nacht.

Welche Form das Wasser hat

Ich mag stilles Wasser aus dem Hahn — in Wien ist das ein Glücksfall, denn das Hochquellwasser ist eines der besten Mitteleuropas. Mineralwasser nehme ich eher zum Essen, wenn die Kohlensäure einen schweren Teller leichter macht. Sehr warmes Wasser am Morgen, mit ein paar Tropfen Zitrone, ist meine eigene kleine Sonntagsgewohnheit, die mir lieber ist als die zweite Tasse Kaffee.

Sehr kaltes Wasser meide ich, wenn ich erhitzt vom Spaziergang heimkomme — nicht aus medizinischen Gründen, sondern weil es sich nicht angenehm anfühlt. Ein lauwarmes Glas am Nachmittag ist eine kleine Geste, die der Körper offenbar wohlwollend zur Kenntnis nimmt.

„Wasser zu trinken ist keine Aufgabe. Es ist eine Pause, in der der Tag kurz aufschaut und sich neu sortiert.“ — Annika Steinberger

Beobachtungen, die nicht in jeder Spalte stehen

Ich merke seit Jahren, dass die Stunden, in denen ich gut getrunken habe, klarer waren — beim Schreiben, beim Lesen, beim Telefonieren. Ob das wissenschaftlich belegbar ist, möchte ich nicht behaupten. Die Harvard School of Public Health beschreibt in offenen Notizen, dass eine angemessene Flüssigkeitsversorgung allgemein zum Wohlbefinden beiträgt — und das ist genau die zurückhaltende Formulierung, die zu dem passt, was ich selbst beobachte.

Was ich nicht empfehle, sind die übertriebenen Mengen, die in mancher Selbstoptimierungsliteratur kursieren. Drei oder vier Liter am Tag sind für einen normalen Wiener Bürotag schlicht zu viel — und können den Körper im Gegenteil unruhig machen. Maß und Aufmerksamkeit sind hier verlässlicher als Litergewichte.

Wenn das Trinken schwerfällt

Manche Menschen haben einen leiseren Durstsinn als andere. In diesem Fall hilft es, das Wasser an feste Tagesankerpunkte zu hängen: an die Zeitungsausgabe am Morgen, an das Aufstehen vom Schreibtisch, an die Pause zwischen zwei Telefonaten. Die Form ist wichtiger als der Vorsatz — denn der Vorsatz vergisst sich, die Form bleibt.

Wer zu wenig trinkt und das ändern möchte, sollte nicht versuchen, einen verpassten Liter am Abend nachzuholen. Verteilen Sie das Wasser über die Stunden, in denen Sie ohnehin im Tageslicht sind. Das ist freundlicher zum Körper und freundlicher zum Schlaf.

Zählt Kaffee als Flüssigkeit?

In moderaten Mengen ja, auch wenn er leicht entwässernd wirkt. Eine Tasse am Morgen verändert die Bilanz nicht wesentlich.

Brauche ich abgefülltes Wasser?

In Wien nicht. Das Leitungswasser ist von ausgezeichneter Qualität. Wer einen anderen Geschmack mag, kann Zitronenschale, Gurkenscheibe oder Minze in den Krug geben.

Wie merke ich, dass ich genug getrunken habe?

Wenn der Tag ruhig verläuft, der Mund nicht trocken ist und die Konzentration am Nachmittag nicht plötzlich abreißt.

Was ist abends die letzte gute Zeit für ein Glas?

Etwa eine halbe Stunde vor dem Zubettgehen — danach unterbricht das Trinken oft den Schlaf.

AS
Annika Steinberger Redakteurin · Wien

Schreibt über die kleinen Tagesgeräte: das Glas, die Tasse, den Krug. Keine medizinische Ausbildung — eine ruhige Beobachterin der häuslichen Trinkgewohnheiten.

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Lieblingsrezepte für Herbstsuppen: drei ruhige Töpfe für den späten Oktober

Von Annika Steinberger Lesezeit ~9 Minuten Rubrik: Rezepte Veröffentlicht am 14.10.2026
3Suppen für eine Woche
45Minuten Zubereitung
7Saisonale Zutaten

Wenn der Wind durch den Stadtpark rauscht und die Bäume die ersten goldenen Blätter fallen lassen, beginnt in meiner Küche die Suppenzeit. Drei Rezepte, die ich Ihnen heute weitergebe, sind über Jahre entstanden — am Herd meiner Großtante in Graz, in der Studentinnenküche im 8. Bezirk und schließlich in unserer ruhigen Wiener Wohnung.

Ich bin keine ausgebildete Köchin. Ich bin eine geduldige Beobachterin, die ihre Großmutter beim Sieden zugesehen hat und gelernt hat, dass ein guter Suppentopf nichts mit Stress zu tun hat. Eine Suppe braucht Zeit, Wärme, ein wenig Aufmerksamkeit und vor allem ein offenes Fenster zur Jahreszeit. Im Herbst heißt das: Kürbis, Karotten, Wurzelgemüse, frische Kräuter vom Balkon, eine gute Brühe und das Selbstvertrauen, nicht zu viel hineinzustopfen.

Eine kurze Lobrede auf die Suppe

Im Westen ist die Suppe oft die ungeliebte Vorspeise — etwas, das man schnell aus dem Beutel anrührt. In Wien dagegen, in dieser Stadt der langen Esskultur, hat sie ihren Platz behalten. Wer am Bauernmarkt am Karmelitermarkt einen Kilo Kürbis kauft, denkt zuerst an die Suppe, nicht an den Auflauf. Und das hat einen Grund, der über die Tradition hinausgeht: Eine warme Schüssel zu Mittag ist eine kleine Form der Ruhe, die man sich selbst schenkt.

Die Weltgesundheitsorganisation weist immer wieder darauf hin, dass eine pflanzenreiche Ernährung mit reichlich saisonalem Gemüse generell zum Wohlbefinden beiträgt. Und die Notizen aus Harvard erinnern daran, dass die Zubereitung zu Hause — statt im Restaurant oder aus der Tiefkühltruhe — uns ein Gefühl für Mengen und Zutaten zurückgibt, das man im Alltag leicht verliert. Die Suppe ist die einfachste Schule für beides.

Hinweis aus der Küche

Verwenden Sie eine Brühe, deren Herkunft Sie kennen. Selbst gekocht ist sie eine Sache von zwei freien Stunden am Wochenende. Aus dem Glas funktioniert sie auch — solange die Zutatenliste vier oder fünf ehrliche Wörter enthält und keinen ganzen Absatz.

Drei Suppenschüsseln mit Kürbis, Linsen und klarer Brühe auf einem Holztisch
Drei Suppen, drei Tempi — auf einem alten Wiener Holztisch.

Rezept 1: Kürbissuppe mit gerösteten Walnüssen

Diese Suppe ist mein Klassiker, den ich seit ungefähr zwölf Jahren mache und der jedes Mal ein wenig anders schmeckt. Sie braucht keinen Stabmixer mit zehn Funktionen — ein normaler reicht. Wichtig ist die Geduld beim Anschwitzen der Zwiebel, denn dort entsteht der ganze Geschmack.

Zutaten für vier Schüsseln:

  • 800 Gramm Hokkaidokürbis, mit Schale, in Würfel
  • 1 große Zwiebel, fein gehackt
  • 1 mittelgroße Karotte
  • 1 Apfel, säuerlich, ohne Kerngehäuse
  • 1 Liter Gemüsebrühe
  • Ein kleiner Esslöffel guter Butter und ein Schuss Olivenöl
  • Eine Handvoll Walnüsse zum Rösten, etwas frischer Salbei

Zubereitung. Zwiebel in Butter und Olivenöl bei mittlerer Hitze acht bis zehn Minuten weich werden lassen, ohne Farbe. Kürbis, Karotte und Apfel dazugeben, kurz mitziehen, mit Brühe aufgießen. Bei kleiner Hitze fünfundzwanzig Minuten leise köcheln. Pürieren. Walnüsse trocken in einer Pfanne rösten, mit grob gehacktem Salbei in die Schüssel streuen. Eine Spur frisch gemahlener Pfeffer rundet die Sache ab.

Rezept 2: Wurzelgemüsesuppe mit Linsen

Diese Suppe ist die robustere Schwester. Sie eignet sich für regnerische Sonntage, an denen man stundenlang am Fenster lesen will und etwas Sättigendes auf dem Herd stehen lassen möchte. Linsen geben ihr Körper, Wurzelgemüse die Tiefe.

  • 150 Gramm braune Berglinsen
  • 2 Karotten, 1 Petersilienwurzel, 1 kleine Sellerieknolle, in Würfel
  • 2 Lauchstangen, in feinen Ringen
  • 2 Knoblauchzehen, gehackt
  • 1,2 Liter Gemüsebrühe, ein Lorbeerblatt, Thymian
  • Olivenöl, ein Spritzer Apfelessig am Ende

Zubereitung. Lauch und Knoblauch in Olivenöl behutsam anziehen, Wurzelgemüse dazu, fünf Minuten mitschwitzen. Linsen, Brühe, Lorbeer und Thymian dazu. Vierzig Minuten leise sieden lassen, bis die Linsen weich sind. Lorbeer entfernen. Vor dem Servieren ein Spritzer Apfelessig — er hebt den ganzen Topf um eine Stufe an.

„Eine Suppe ist die einzige Mahlzeit, die einem zuhört. Sie wird heller, wenn man sie kaum stört, und wirft, wenn man sie überreizt.“ — Annika Steinberger

Rezept 3: Klare Hühnerbrühe für graue Tage

Das dritte Rezept ist die einfachste und zugleich die langsamste. Eine klare Brühe, gekocht aus einem Suppenhuhn vom Bauern, ist im Wien meiner Kindheit das gewesen, was meine Großmutter „eine sanfte Decke für innen“ nannte. Es ist keine Wundersache, es ist einfach eine ruhige Wärme.

  • 1 Suppenhuhn vom Markt
  • 2 Karotten, 1 kleine Sellerieknolle, 1 Stück Lauch, 1 Petersilienwurzel
  • 1 Zwiebel mit Schale, halbiert und in einer trockenen Pfanne kurz angeröstet
  • Ein Bund Petersilie, ein paar Pfefferkörner, ein Lorbeerblatt
  • 3 Liter kaltes Wasser, eine Prise Meersalz

Zubereitung. Das Huhn mit kaltem Wasser ansetzen, langsam zum Sieden bringen, dabei den Schaum abschöpfen. Gemüse und Gewürze dazu. Zwei bis zweieinhalb Stunden bei kleinster Hitze sieden, ohne sprudelnd zu kochen. Durch ein feines Sieb gießen. In der Schüssel ergänze ich gerne ein paar feine Karottenstreifen, etwas Petersilie und ein Glas Wasser dazu.

Was diese drei Suppen gemeinsam haben

Sie sind nicht spektakulär. Sie wollen es auch nicht sein. Was sie verbindet, ist eine bestimmte Art von Aufmerksamkeit: Man schält langsam, man wartet, man schmeckt zwischendurch, man rührt selten. Eine Suppe ist die einzige Mahlzeit, die einem dafür dankt, dass man sich nicht in sie einmischt.

Es lohnt sich, Suppen in größeren Mengen zu kochen und am nächsten Tag in einem schönen Glas mit ins Büro zu nehmen. Sie schmecken oft am zweiten Tag besser, wenn die Aromen Zeit hatten, sich zu finden. Und sie sind, gemeinsam mit einem Stück Vollkornbrot, eine vollständige Mahlzeit, an der nichts fehlt.

Kann ich die Rezepte vegan kochen?

Ja, die ersten beiden mühelos: Butter durch Olivenöl ersetzen, Brühe pflanzlich. Die klare Hühnerbrühe lässt sich als kräftige Gemüsebrühe abbilden.

Wie lange halten die Suppen?

Im Kühlschrank zwei bis drei Tage, in der Tiefkühltruhe bis zu drei Monate. Wurzelgemüse aufrühren, bevor man auftaut.

Welcher Topf ist sinnvoll?

Ein gusseiserner mit dickem Boden — er hält die Wärme freundlich und gleichmäßig, das schont den Geschmack der Suppe.

AS
Annika Steinberger Redakteurin · Wien

Schreibt über Märkte, Suppen und die kleinen Wahrheiten des Herdes. Keine medizinische Ausbildung — eine ruhige Köchin mit einem Notizbuch voll handgeschriebener Rezepte.

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